
484 Euro kostete der FLEX3 Online-Kurs, mit dem ich meine eigene Punkte-MPU vorbereitet habe. Genau dieser Betrag widerlegt einen Mythos, der sich hartnäckig durch jedes MPU-Forum zieht: Wer weniger für die Vorbereitung zahlt, bekommt angeblich automatisch eine dünnere, unseriösere Leistung als beim teuren Einzelcoaching. Dieser Controller-Check rechnet den Kosten-Vergleich in Zahlen durch und zeigt, wo der Mythos stimmt und wo er komplett danebenliegt.
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Der Mythos vom sicheren teuren Weg
Bevor ich überhaupt einen Kurs gekauft habe, hatte ich es mit einem alten MPU-Ratgeberbuch aus 2018 versucht, das noch in meinem Regal stand. Die Fragenkataloge darin waren zu diesem Zeitpunkt schlicht veraltet, weil sich die Prüfungspraxis seitdem verschoben hatte. Diese erste Enttäuschung war der eigentliche Auslöser für meinen methodischen Vergleich: Wenn ein Jahre altes Buch schon nichts taugt, wie verlässlich sind dann die Versprechen auf den Verkaufsseiten der Online-Kurse?
Ein Bekannter von mir, der Hobbytennis beim TC Blau-Gelb Köln spielt, hat mich neulich gefragt, ob sich der günstigere Online-Kurs überhaupt lohnt, oder ob er lieber gleich beim Verkehrspsychologen bucht. Genau diese Frage beantworte ich hier mit Zahlen statt mit einem Bauchgefühl.
Der reine Stundenvergleich
Rund 135 Euro verlangt ein typischer Verkehrspsychologe in Köln aktuell pro Fünfzig-Minuten-Einheit. Für meine Aufarbeitung – vor allem das Nicht-Freimachen der Bahn für einen Rettungswagen – wurden mir zwölf Sitzungen empfohlen, macht 1.620 Euro Gesamthonorar. Der FLEX3-Kurs kostet dagegen einen Fixpreis von 484 Euro, bei knapp 20 Stunden Videomaterial in zwölf Kernmodulen.
| Posten | Einzelcoaching (Präsenz) | Online-Kurs (FLEX3) |
|---|---|---|
| Honorar / Anschaffung | 1.620,00 € | 484,00 € |
| Umfang | 12 x 50 Min. | ca. 20 h Material |
| Effektiver Stundenpreis | 135,00 € | ca. 24,20 € |
| Fahrtkosten / Parken | ca. 120,00 € | 0,00 € |
Würde ich das als Projekt für einen Kunden abrechnen, würde man mich wegen Ineffizienz zur Rede stellen: 135 Euro für fünfzig Minuten Redezeit? Das Delta von 1.136 Euro ist für einen Freiberufler eine spürbare Summe, und die Fahrtkosten sind darin noch nicht eingerechnet.
Wo der Online-Kurs schwächelt
Genau hier korrigiere ich mich selbst, denn online heißt nicht automatisch makellos. Auf der Verkaufsseite des FLEX3-Kurses waren zwölf Stunden Lehrgesprächs-Training angekündigt; als ich das Dashboard nach dem Kauf öffnete, waren nur neun Stunden davon freigeschaltet, der Rest kam erst nach und nach. Das ist keine Katastrophe, aber es widerlegt die Vorstellung, ein Online-Kurs liefere von Tag eins an alles, wofür man bezahlt hat.
Auch die Selbstreflexions-Aufgaben blieben in meinem Fall auffällig generisch. Wo ein Psychologe im Gespräch nachhakt, sobald jemand ausweicht, lässt einen das digitale Arbeitsblatt oft mit einer Standardfloskel davonkommen. Ebenso hat mich das Modul zur Rückfallprävention – rund drei Stunden Videomaterial – an zwei Stellen gestört, weil dieselben Verhaltensmuster aus dem Drogenbereich einfach auf Punkte-Fälle übertragen wurden, was nicht immer passt.
Der Controller-Check: Rechne den Stundensatz nach
Wer nur auf den Kaufpreis schaut, vergleicht Äpfel mit Birnen. Einen vollständigen Kurs-Inhaltsaudit mit Bewertungsraster für alle drei Anbieter habe ich an anderer Stelle aufgeschrieben; hier zählt allein das Verhältnis von Stunden zu Euro. Wie ein Lehrgespräch didaktisch sauber aufgebaut sein sollte, ist ebenfalls ein eigenes Thema – in diesem Vergleich interessiert mich nur, wie viele Stunden davon im jeweiligen Kurs wirklich stecken.
Zwei Kurs-Videos parallel laufen zu lassen, um Modul für Modul direkt gegenzuchecken, hat meinen zweiten Monitor über Stunden hörbar zum Surren gebracht – ein kleiner Preis für einen sauberen Vergleich.
Einzelcoaching macht nicht automatisch sicherer
Der MPU Masterplan Alkohol kostet ebenfalls 484 Euro, wirkt bei den Video-Lektionen etwas kompakter als FLEX3, überzeugt aber mit einem klar strukturierten Workbook-Format. Er deckt auch das Trennungsvermögen ab, allerdings ausschließlich mit alkoholzentrierten Beispielfällen, die sich nicht eins zu eins auf Punkte-MPU-Fälle übertragen lassen.
Wegen des erreichten Punktekontos flattert so eine Anordnung meist ohne Vorwarnung ins Haus. Wann genau das typischerweise passiert, habe ich in meinem Beitrag über 8 Punkte in Flensburg im Detail durchgerechnet.
Trotzdem gilt Einzelcoaching in vielen Foren als Königsweg, und genau das ist der zweite Teil des Mythos, den ich hier korrigiere. Eine zu starke Fixierung auf den persönlichen Betreuer kann die Eigenverantwortung sogar schwächen: Man delegiert das Bestehen gedanklich an den Therapeuten, nach dem Motto, man zahle ja genug dafür. Ein Online-Kurs zwingt dich dagegen zur aktiven Auseinandersetzung, weil niemand nickt, wenn deine Antwort halbgar bleibt.
Charakterliche Eignung meint dabei schlicht die Frage, ob sich dein Verhalten nachvollziehbar geändert hat – dieser Begriff taucht in praktisch jedem Modul beider Kurse auf, ohne dass er groß erklärt wird. Wer zusätzlich einen Abstinenznachweis braucht, findet dazu in keinem der beiden Kurse mehr als ein kurzes Kapitel; das Thema ist eigenständig genug für einen eigenen Vergleich.
Meine Regel für die Kostenentscheidung
Wer unsicher ist, welcher Anbieter seriös arbeitet, findet in meiner Checkliste für Online-Kurse die Kriterien, die ich selbst anlege, bevor ich überhaupt zur Kasse gehe. Meine eigene Regel danach ist einfach: Online-Kurs für die Struktur- und Stundenarbeit nutzen, aber eine einzelne Simulationsstunde bei einem Berater einkaufen, um die eigenen Lehrgesprächs-Antworten am Ende auf Realitätstauglichkeit zu prüfen – nicht als Ersatz für die Modularbeit, sondern als letzten Reality-Check.
Diese Kombination war für mich am Ende die wirtschaftlich sinnvollste Lösung, deutlich unter dem Budget des reinen Einzelcoachings. Wer wegen Alkohol zur MPU muss, findet dazu meinen MPU Masterplan Alkohol Review, wer wegen Drogen oder allgemeiner Delikte betroffen ist, dem hilft der FLEX3 Online MPU Drogen Kurs als technisch saubere und wirtschaftlich sinnvolle Basis.
Am Ende zählt beim Gutachter nicht, was die Vorbereitung gekostet hat, sondern ob du deine Verhaltensmuster wirklich verstanden hast. Der Mythos vom automatisch besseren teuren Weg hält der reinen Zahlenlage jedenfalls nicht stand – solange du bereit bist, die Lücken des günstigeren Kurses selbst zu schließen.